Jutta Miller-Waldner



Jutta Miller-Waldner


Vita Internet Leseprobe

Jutta Miller-Waldner lebt in ihrer Geburtsstadt Berlin. Sie schreibt seit dem 10. Lebensjahr Prosa - Märchen, Kindergeschichten, Kurzgeschichten - und Lyrik. Zahlreiche Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien, viele Lesungen in Deutschland, Spanien, Österreich und Ungarn. 1. Preis beim Kinder- und Jugendliteraturwettbewerb 1992 der Volkshochschule Oberes Enztal e. V. für "Als Paule mit der roten Mütze einmal Hausaufgaben machte", mehrere Anerkennungspreise für Lyrik, Prosa und Fantasiegeschichten. Mitglied in der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren e. v. (IGdA), der Gesellschaft der Lyrikfreunde, der Deutschen Haiku-Gesellschaft und dem Katholischen Schriftstellerverband Österreichs. Aufnahme in den Kürschner-Literaturkalender und in die Datenbank der Stiftung Frauenliteratur.
Seit 1990 Tätigkeit im Literaturmanagement: 1986 bis 2000 Leiterin der Schreibgruppe "Lichterfelder Bleistiftspitzen"; 1995 bis 1997 Redaktion, Satz und Layout der Zeitschrift "Begegnung" der Gesellschaft der Lyrikfreunde; von 1994 bis 2002 Leitung des Bewerbs der Gesellschaft; 1994 bis 1997 Vorstandsmitglied im Bundesverband deutscher Autoren (BA); 1992 bis 1998 und von 2002 bis 2005 Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren (IGdA) mit Organisation von Treffen in Deutschland, Österreich, Spanien und den Niederlanden mit öffentlichen Lesungen; seit 2005 1. Vorsitzende; seit 2002 Redaktion, Satz und Layout der Zeitschrift "IGdA-aktuell". Veranstalterin und Dozentin von Schreibseminaren und Workshops in Deutschland und Spanien; Zertifikat als Schreibwerkstättenleiterin.
Lektorin von Belletristik und wissenschaftlichen Arbeiten.
Ein Lyrikband: Der Traum eines Schmetterlings, Weinstadt: aktuell Verlag 1995. Gedichte daraus sind übersetzt worden ins Albanische, Bulgarische und Russische.




Juttas Schreibtipps (Blog) http://user.aol.com/hutschi/jutta.htm
http://www.miller-waldner.kulturserver.de/
http://www.igda.net/
E-Mail mailto:schreibschule@yahoo.de




Der Engel

Mensch, Kumpel, is det kalt. Weeßte, manchmal möcht ick mir 'nen Strick nehmen und mir uffhängen. Und manchmal wünsch ick mir, ick jeh im Suff üban Damm und werd von 'nem Auto übafahren. Ick bin doch sowat von überflüssich. Morjens wach ick uff de Parkbank uff, und denn, wenn die Sonne mir so ins Jesichte plinkat, mach ick die Oojen jleich wieda ssu. Nee, det Helle is nischt for mir. Und denn steh ick doch uff. Von irjendwoher kriej ick schon 'n Kanten altet Brot oda ooch mal 'nen anjedetschten Appel, weeßte, von dem Türken da, dem Kemal uffm Wintafeldplatz. Ick versteh jar nich, wat de Leute jejen Ausländas ham. Doch, doch, ick weeß schon, wat so los is in die Welt. Hab doch keene Tomaten uff de Oojen. Aba weeßte, manchmal muß ick denn doch wieda inne Abfalleimas wühln. Det die Leute ooch so ville wegschmeißen. Und denn jibts son paar Kumpels, die mir imma die Beute klaun wolln. Bloß vastehste, det sind allet arme Hunde, manchen jeht es noch dreckjer als mir. - Mensch, wenn ick bloß nich so frieren tät. - Na ja, ejal, jedenfalls mit denen teil ick denn det, wat ick so hab. Det jibt mir ooch Kraft, und so schaff ick denn wieda 'n Tag. Det Schlimste is bloß, wenn Claudichen kommt und mir ihr bißken Jespartes bringt. Denn muß ick imma flennen. Ach, daß det allet ooch so kommen mußte. Konnte doch keen Mensch ahnen damals, wo die Marjot so sauer war, weeßte, nur weil ick 'ne Freundin hatte. Det war doch nischt Ernstes jewesen. So'n Mann braucht mal 'ne kleene Abwechslung, wa? Aber nee, Marjot jleich Scheidung, icke aus de Wohnung und denn ooch noch der Dachdecker pleite, bei dem ick malochte. Wo jibt's denn sowat, det Dachdeckers pleite jehen. Aber so isses. Wenn de eenmal Pech hast, denn imma. Pech zieht Pech an. Nischte mit positivem Denken. Doch den Jören jeht es jut und Marjotchen ooch. Und wat will ick mehr? Nur so'n Hund hätte ick jerne, mit dem man mal quatschen kann und ooch son bißken knuddeln. - Jotte nee, is mir kalt.- Weeßte wat, ick such mir son kleenen Köta. Werden doch so ville ausjesetzt heutzutaje. Siehste, da wird mir jleich wärma, wenn ick daran denk. Und wenn ick denn so'n Wauwi hab, denn muß ick für den sorjen, und filleicht verdien' ick ma denn 'n paar Hunnis und find wieda 'ne Bude. Und filleicht zieht denn ooch meene Familje wieda zu mir. Weeßte wat, es jibt imma wieda Hoffnung, jloobste? - Mensch, det war echt jut von dir, dette mir ssujehört hast. Wer bist'n übahaupt? 'n Engel? Echt? Mensch, denn mach, det mir nich mehr so kalt is.

Meldung in der Abendpost am 2. Januar 19..: Wieder ein Obdachloser erfroren aufgefunden. Die Stadt erwägt die Eröffnung zusätzlicher Wärmestuben.