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Rudolf-Descher-Feder 2007





VERLEIHUNG DER RUDOLF-DESCHER-FEDER 2007
AN ERNEST-EDMUND KEIL



Ein großer Freudentag für Professor Keil muss heute ohne sein Beisein gefeiert werden: Die Jury der IGdA hat ihn zu einer ganz besonderen Ehrung - der Verleihung der Rudolf-Descher-Feder - auserwählt, und das an einem Ort mit hoher seit dem Mittelalter bestehender literarischer Bedeutung - in Wolframs-Eschenbach.
   Als Minnesänger ist mir unser Preisträger nicht bekannt geworden, wenngleich er etwas von Minne versteht, das dürfen wir getrost unterstellen.
   Seine literarischen Arbeiten befassen sich hauptsächlich mit lyrischen Versen bis hin zur "langen" Kurzgeschichte, die häufig schon als Novelle zu betrachten ist. Die beschriebenen Gestalten erhalten Form und Farbe, sie leben nicht in einer Traumwelt, sondern hier und heute!
   Schöpferische Kräfte wollen sich äußern und ausleben. Dafür ist die künstlerische Betätigung mit Literatur das geeignete Medium.
   Humoresken und Satiren werden nicht vernachlässigt: Dafür sprechen die Bände Tod einer Puppe und Hund mit Dame aus den achtziger Jahren.
   Übersetzungen aus dem Englischen und Spanischen, so William Shakespeare in Ausgewählte Sonette und Fray Luis de Leon mit Gedichten zeigen die Reichweite seines literarischen Werkes.
   Als weitere zweisprachige Arbeiten möchte ich die Anthologien über Gryphius, Novalis und Hölderlin nennen. Auch wendet sich Herr Keil der Deutschen Dichtung aus vier Jahrhunderten vom Baltikum bis zum Banat zu in zwei Bänden und beschreibt in Vertrieben die literarischen Zeugnisse von Flucht und Vertreibung.
   Doch zurück zu den Lyriken: Sie gestatten dem Leser, sich an Rhythmus und Reim zu ergötzen:

Rufe, Vers, was ich erfuhr,
das Gewesene ins Sein:
Uferhänge, Rosenspur,
Vogellied in Gras und Stein


Erlauben Sie mir, dass ich mich im Rahmen dieser Feierstunde einigen biographischen Daten unseres Preisträgers zuwende:
   Herr Keil hat ein Selbstporträt erstellt, dem ich meine Angaben für Sie entnehme, und das außerdem der Unterhaltsamkeit dienen soll. Er bezweifelt selbst, dass sein Leben unterhaltsam gewesen ist, obwohl er ein geborener Rheinländer ist, dem es gewöhnlich an Fröhlichkeit nicht fehlt. Doch literarisch gesehen taugen die Rheinländer nichts, wenn man einmal von Heine und Böll absieht, so seine Meinung.
   Aufgewachsen ist er in Düsseldorf, am Wallgrafgraben, mit Blick auf die Düssel, er ist mit Düsselwasser getauft, obwohl in Hucklingen geboren. Dieser Ort gehörte seinerzeit zu Düsseldorf und heute zu Duisburg, das ein Krankenhaus besaß, in dem Wunderkinder zur Welt kamen. In den Nachkriegsjahren in Bonn angesiedelt, schrieb er sich an der Universität für Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte ein. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Lokalreporter beim Bonner General-Anzeiger. Gleichzeitig wurden erste Gedichte und handlungsarme Erzählungen, so nennt er sie selbst, veröffentlicht in der Rheinischen Post, im Rheinischen Merkur und selbstverständlich im Bonner General-Anzeiger.
   Seit seiner Studienzeit schreibt Herr Keil und hat nicht aufgehört zu schreiben. Sein langjähriger Aufenthalt mit Familie in Spanien, der außer seiner Ehefrau zwei Buben und zwei Mädchen, angehörten, entwickelte ihn zum Buchautor und ließ Spanien seine zweite Heimat werden. Er lernte die spanische Sprache mit großem Eifer, damit er sich durch die Zweisprachigkeit im täglichen Leben besser durchsetzen konnte. Dem Land hat er ein literarisches Denkmal gesetzt in seinem Buch Spanische Passion: Gedichte aus drei Jahrzehnten sowie einem umfänglichen Prosaband, aus dem die Erzählung Das Souvenir im Merianheft über Valencia erschienen ist. Für dieses Heft übersetzte unser Preisträger auch spanische Texte unter anderem von Azorin und Gabriel Miro.
   Nach der Scheidung kehrte unser Herr Keil in sein Geburtsland zurück und arbeitete als Studienrat, Volkshochschuldozent, Rezitator, Theaterkritiker und in Bonn als Lehrer am Abendgymnasium, als Cheflektor eines Literatur-Verlages und später als Literaturreferent des Bundesinnenministeriums. Inzwischen konnte dieser hochbegabte Mann zehn Literaturpreise entgegennehmen (fünf für Lyrik und fünf für Prosa). Heute lebt Ernest Edmund Keil zusammen mit seiner neuen Lebenspartnerin in Sinzig-Bad Bodendorf als Pensionist, Schriftsteller, Gründer und Vorsitzender der LiterAHRischen Gesellschaft Ahrweiler e. V.
   Auch den Prosaband Rückkehr an die Ahr möchte ich nicht unerwähnt lassen. Daneben veröffentlichte er eine Spanienprosa In der Fremde zu Haus und die Satirebände The Happy Birthday, die Bayrische Witwe und Milch und Blut. Im Jahr 2002 konnte Herr Keil den Lehrauftrag an der Universität Valencia nicht wahrnehmen, denn am Abend vor der Abreise verunglückte er mit einem Leihwagen im spanischen Küstengebirge schwer und wurde erst am dritten Tag nach dem Unfall gefunden. Monatelange Krankenhausaufenthalte in Spanien und Deutschland waren die Folge, und eine schriftstellerische Tätigkeit in dieser Zeit war unmöglich geworden. Im November 2002 war er soweit wieder hergestellt, dass er arbeiten konnte. Eine CD mit frühen Erzählungen von Thomas Mann entstand und ein Lyrikband mit dem Titel Endreime von Liebe und Krieg.

Melancholie kann in den Gedichten von unserem verehrten Herrn Keil nachempfunden werden. So das folgende Gedicht Jahrentlang aus Band 109 der Esslinger Reihe:

Sommer vergeht
mohnrot im Krug
mitten im Jahr.
Sturmwind verweht,
die sie mal trug,
Rosen im Haar
Sprich leise, leis
es ist schon spät.
zu spät vielleicht,

Mondsichelkreis
ganz leise mäht
Liebe so leicht


Auf sein neuestes Werk (Buch und CD) Lied der Erde können wir sehr gespannt sein.

Was unseren Veranstaltungsort Wolframs-Eschenbach betrifft, so möchte ich kundtun, dass Herr Keil auch ein Parzival-Gedicht geschrieben hat:

Der schneeweiße
Schnee im Hof:
Ungeheures Weiß
unter weißer Sonne
doch drei Blutstropfen
im Schneewinterweiß
denen du nachsinnst
lang
erinnern dich
jäh
an Reinheit
und Ursprung
von allem
was du
einmal besessen.


Aus mehreren Gedichten, die in der IGdA-aktuell in letzter Zeit gedruckt wurden, möchte ich eines zitieren:

FREMDE

Bin ein Zugvogel
der nicht wiederkehrt
nicht in sein Land
nicht in die Stadt.

Der fliegt übern Berg
fliegt mit dem Wind
fern, fremd
ohne Wiederkehr.

Nur das Lied
das er singt
spricht den Laut
seines Lands.

So kehrt er wieder
nicht wiederkehrend
ein Fremdling
der Heimat hat.


Wenn ich in dieser Feierstunde nicht alle Errungenschaften unseres Herrn Keil lobend aufzählen konnte, so möge er mir das verzeihen.

Ich habe lange nachgedacht, um ein geeignetes Schlusswort zu finden. Vielleicht können mir die Anwesenden zustimmen, wenn ich behaupte: Um Unsterblichkeit zu sichern bedarf es in der Arbeit des Schriftstellers des Dichters offene Augen, nicht nur im Lichte, sondern selbst in der Dunkelheit. Geschlossene Augen bei Licht erklären das Ziffernblatt des Lebens. (Sinnbildlich entnommen aus Milan Kunderas Roman Die Unsterblichkeit).

So wünsche ich im Namen aller Anwesenden unserem Preisträger für die Zukunft noch viele fruchtbare Dichterjahre und seinem Werk die Strahlkraft und reiche Weite, vergleichbar dem Minnesang und dem Epos Parzival eines
   Wolfram von Eschenbach.

Irmengard Hörning

(Abdruck leicht gekürzt, jmw)