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Rudolf-Descher-Feder 2005





VERLEIHUNG DER RUDOLF-DESCHER-FEDER 2005
AN HILDE PEYR-HÖWARTH


Um das Werk unserer diesjährigen Preisträgerin, Frau Hilde Peyr-Höwarth, zu verstehen und zu würdigen, ist es unerlässlich, auf ihre engere Heimat, das österreichische Waldviertel, hinzuweisen. Ein Rezensent ihres Lyrikbandes Auf der Fährte des Windes beschreibt eine dort stattfindende nebelverhangene Herbstwanderung und nennt ein Dorf, " es hieß Schwarzau und lag trotz der uns umhüllenden dichten Nebelschwaden in einer geschützten Mulde, breit und trocken in rotgoldenen Herbstfarben. Nie zuvor hatte ich so stark das Gefühl gehabt, in einer völlig anderen Welt zu stehen."
Hier, in Schwarzau bei Gmünd, nahe der Grenze zur Tschechoslowakei, wurde Hilde Peyr-Höwarth geboren und wuchs in der stillen Abgeschiedenheit eines Forsthauses auf, inmitten eines Gebietes mit großen Waldbeständen, Hochmooren, dunklen Teichen und riesigen Granitblöcken. Sie zitiert in ihrem Gedicht Hasenspuren "verschneiter Wald, Fichtenkronenrauschen - / Rehe, die mit scheuem Blick in den Abend lauschen", und stellt fest: "Ich glaube, dass mich diese Landschaft für mein ganzes späteres Leben geprägt hat."

   Als Einzelkind aufwachsend, hatte sie wenige Ansprechpartner und "so begann ich mir Geschichten auszudenken, die ich später niederschrieb Das gesprochene, vor allem aber das geschriebene Wort hat mich seit meiner frühen Kindheit fasziniert. Ich hatte eine Vorliebe für alles, was sich reimte oder rhythmisch war. Ich lebte mit und in der Natur, ich beobachtete und liebte sie."
   Nach der dörflichen Volksschule in Hirschenwang führte sie ihr weiterer Lebensweg nach Salzburg, wo sie nach der Matura als Sekretärin an der Handelsakademie tätig war und später ein interessantes Betätigungsfeld als Kliniksekretärin eines Universitätsprofessors, der als Chef der Klinik auch wissenschaftliche Werke herausgab, fand. Durch diese Mitarbeit lernte sie viele menschliche Schicksale kennen, was nicht ohne Einfluss auf ihr literarisches Schaffen blieb. Dieser innersten Neigung blieb sie zu jeder Zeit treu: "Es war für mich das Wichtigste."
   Sie schrieb Lyrik und Prosa und fand bald im Kreis Gleichgesinnter, dem neben Autoren auch Schauspieler und Musiker angehörten, herzliche Aufnahme. Dadurch animiert, begann sie auch Sketches und Hörspiele zu schreiben. Öffentliche Lesungen und Aufführungen folgten, ihre Kurzgeschichten und Gedichte fanden in Kulturmagazinen, Frauenzeitschriften, Kalendern und Salzburger Tageszeitungen Aufnahme. Im Radio Salzburg und im Niederösterreichischen Rundfunk wurde sie einem großen Leserkreis vorgestellt.
   Es begann eine intensiv erlebte Reisezeit in südliche Landschaften wie Ägypten, Sardinien, Sizilien, Tunesien, aber auch in außereuropäische wie dem Sinai oder Südafrika. Neue Bereiche lyrischen Empfindens und menschlicher Betrachtung taten sich auf. "Was für mich das Waldviertel und der Böhmerwald waren, wurden nun südliche Landschaften das Spiel von Welle und Wind, das Tosen der Brandung, das Schäumen der Gischtschleier auf steilen Klippen, heißer Sand, der unter den Sohlen brennt Ich hatte das Gefühl des Losgelöstseins und jener Leichtigkeit, die mein erdgebundenes Gemüt inspiriert."
   Im Spannungsfeld dieser Pole entstehen neun Editionen mit Lyrik- und Prosaerzählungen. Sie enthalten Lebensbilder, Naturlyrik, menschliche Erfahrungen daheim und auf Reisen, Gedanken um Jugend, Altern und Tod, Höhe- und Tiefpunkte aus dem weiten Land der Seele, gereimt oder in rhythmisch freier Sprachmelodie dem Lesenden nahe gebracht. Auch dem Humor wird - zur Freude der Leserschaft - eine Nische eingeräumt.
   Eine immer größer werdende Lesergemeinde bildet sich. Nach dem Erstlingswerk Auf den Spuren der Zeit, das im niederösterreichischen Rundfunk im Rahmen eines Interviews vorgestellt wurde, erschien der Prosaband Zwischen Minze und Mohn, dann folgten Prosa und Lyrik in Auf der Fährte des Windes und die Lyrikbände Warten auf die Stille und Verlorene Erde, außerdem heiter-besinnliche Texte in Aufgelesen unterwegs, Die heilige Kuh (Humor für jedermann, auch für Poeten), Im Spiegel der Sterne mit heiterer Lyrik und die Broschüren Humor statt Drogen und Festtagsstreß und Alltagspannen.
   Eine Fülle berührender Themen und Betrachtungen eröffnet sich, Reflexionen aus einer inneren und äußeren Welt, die nicht in kompliziert verschlüsselter Weise umgesetzt werden, sondern in gepflegter Sprache die Emotionen des Lesenden anrühren, Mitempfinden auslösen, heitere Gelassenheit übertragen, vielleicht auch tröstende Antworten geben wollen und geben.
   Auf alle diese Bereiche weist der Titel des derzeit in Vorbereitung stehenden Bandes hin: Denken - Träumen - Schmunzeln.
   Einem solch reichen Werk konnte im Laufe der Jahre Anerkennung nicht versagt bleiben. Als wichtigste Preise seien genannt: 1975 Lux-Literaturpreis (für Prosa), 1983 Dr. Ernst Koref-Preis (für Lyrik), 1983 Preis für Satire und heitere Texte durch den Verein für Förderung von Literatur, Wissenschaft und Kunst in Wien, 1990 Niederösterreichischer Hörspielpreis des Bundesministeriums für Unterricht. Für ihre Arbeit im Landesdienst erhielt Hilde Peyr-Höwarth das Silberne Verdienstkreuz des Landes Salzburg

   Trotz ihres intensiven lyrisch-inneren Lebens ist Hilde Peyr-Höwarth niemals "der Welt abhanden kommen". 1993 übernahm sie die Repräsentanz Salzburg der Gesellschaft für Lyrikfreunde und veranstaltet regelmäßig Lesungen im Salzburger Literaturhaus, die sowohl Mitgliedern der Vereinigung als auch Gastautoren und Autorinnen aus dem In- und Ausland ein Forum zur Darbietung ihrer Werke bieten. Auch hier wurden Hilde Peyr-Höwarth bei den jährlichen Wettbewerben der Gesellschaft mehrere Preise, darunter der Leserpreis, zuerkannt, ebenso wie ein Preis des Österreichischen Schriftstellerverbandes.
   Am Kulturleben Salzburgs nimmt sie als Lesende und Vortragende bei den alljährlich stattfindenden Schlosskonzerten teil, die stets ein breites Publikum anziehen.
   So verbinden sich bei Hilde Peyr-Höwarth die Emotionen und Impulse inneren Lebens, ihre Verarbeitung und ihr Niederschlag in eine real sich ergebende Gegenwart zu einem reichen literarischen Lebenswerk, das Inhalt und Form in bewusst aufeinander bezogener Harmonie aufweist. Der Stil der Autorin vermeidet gekünsteltes Experimentieren, sprachliche Verzerrungen, originell sein sollende Metaphern, die allzu häufig im Hörenden oder Lesenden Ratlosigkeit und Leere hinterlassen. Melodie und Rhythmus sind Grundpfeiler ihres lyrischen Gestaltens - dem musikbezogenen Sinn des Begriffes Lyrik entsprechend. Ihre inhaltliche Aussage will seelisch berühren, zum Mitempfinden anregen - nicht aber schockieren. Auch Humor und Satire zeigen bei Hilde Peyr-Höwarth dieselbe Einstellung - sie machen lächeln, verletzen aber nie.
   Aus den Prosaerzählungen spricht tiefes Verstehen menschlicher Spannungsfelder und Konfliktsituationen, oft auch Abgeklärtheit und Resignation.
   Ein Gedicht - wohl in solcher Stunde geschrieben - zeigt das auf:

Was du besitzt, das hast du auf Zeit:
die Jugend, das Glück, den Erfolg,
selbst das Leid. Nichts, was du hast,

ist in Wahrheit ganz dein,
einzig dein Leben gehört dir allein.

Ihre innerst-existentielle Einstellung zu ihrem Leben wie aber auch zu ihrem literarischen Schaffen spricht das Gedicht Der Brunnen aus:

Der Brunnen, aus dem ich mein Wasser schöpfe,
hat einen Namen E i n s a m k e i t.
Nicht Ziel ist sie, sie ist nur die Oase,
der Ort, wo man die leeren Krüge füllt.

Wir aber haben zu danken für die seltene Herzenswärme, an der sie uns teilhaben lässt, für Stunden der Besinnung und Ausgeglichenheit, die ihr Werk vermittelt, wie auch für Interesse und die Anteilnahme, die sie jedem von uns und den Zielen unserer Gemeinschaft entgegenbringt.

Liane Presich-Petuelli


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